BRICS: Rio de Janeiro lässt weitere Favelas gewaltsam räumen

Die Favelas, Brasiliens Armenviertel, haben ein Problem: Selbst dort in den Slums wachsen die Mieten zweistellig. Spekulationen und eine Aufwertung der Innenstadtgebiete im Zuge der umstrittenen Befriedungspolitik für die Fußball Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 haben die Lebenskosten explodieren lassen. Das führte zu einer massenhaften Vertreibung der Ärmsten aus den Slums. Rund 200 Familien, so eine Schätzung, wurden bereits vertrieben, sie schlafen und leben nun in den Parks in Plastikplanen und bitten tagsüber um Spenden.

Seit Jahren versucht die Stadt Rio Herr über die wachsenden Slums zu werden. So liess sie zuletzt ganze Favelasviertel um das Maracanã Stadion herum räumen. Mehr als 1.000 bewaffnete Polizisten rückten dabei gegen die Bewohner vor. Wer nicht freiwillig sein Quartier räumte wurde zum Abzug gezwungen. Busse und Autos wurden in Brand gesteckt und als Barrikaden benutzt. Es gab Berichte über Verletzte und Festnahmen, unter ihnen auch brasilianische Journalisten.

Den Ärmsten wurde teilweise nicht einmal erlaubt ihr Hab und Gut aus den Hütten zu holen, da Polizisten mit bewaffneten Hausbesetzungen rechnen mussten. „Não vai ter Copa!“ hört man von überall: Keine WM! Brasilianische Journalisten berichteten von ungeheuerlichen Szenen bei der Räumung: So drohten Mitarbeiter der Stadtregierung den Obdachlosen Eltern damit, ihre Kinder fortzuschaffen, da diese nicht auf der Strasse leben dürften.

Wenige Wochen vor der WM geht die Stadtregierung mit hektischer Härte gegen die Bewohner der Favelas vor. Anfang April hatten rund 3.000 Armeesoldaten das Favela Maré besetzt. Vor der Besatzung kam es zu tagelangen Schusswechseln, Drogengangs wollten sich die Räumung nicht gefallen lassen. Seit Januar 2009 regiert Eduardo Paes von der marktliberalen PMDB Partei (Movimento Democrático Brasileiro). Seinem radikalen Kurs ist zu verdanken, dass sich die Fronten derart verhärtet haben.

So nannte er wiederholt die Bewohner der Slums, die sich gegen die Räumung mit Gewalt wehrten, Vandalen. Auch die Medien übernahmen den Begriff und bezeichneten damit die Demonstranten, welche im Juni gegen Geldverschwendung, Korruption und fehlende Sozialhilfe auf die Strassen Rios gingen. Nun unterstützt Eduardo Paes ein umstrittenes Gesetz im brasilianischen Parlament, welches Demonstranten, Protestler und Hausbesatzer als Terroristen definieren würde.

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~ von oyukidaruma - 06/05/2014.

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