Viele Südostasiaten schuften in Hongkong ohne Rechte

Jeder der schon mal in Hongkong war, kennt das Phänomen: Pünktlich zum Wochenende nehmen Gastarbeiter aus Südostasien den Victoria Park ein, sie kochen, spielen, stricken, tauschen sich untereinander aus. Die großen Parks der Megametropole bieten am Wochenende die einzige Möglichkeit für die vielen Gastarbeiter sich zu treffen, auszutauschen und ihren harten Alltag zu vergessen. Die vielen Arbeiterinnen und Arbeiter, die meisten aus den Philippinen und Indonesien kommend, haben oftmals weniger als drei Quadratmeter Rückzugsfläche. Viele leben bei ihren Gastarbeitern und können sich keine eigenen Wohnungen leisten.

Nun allerdings, nach einer landesweit bekannt gewordenen Misshandlung, ist es erst einmal vorbei mit der Ruhe. Hongkong hat viele Gastarbeiter, welche vorwiegend als billige Haushaltshilfen aus ärmeren Ländern fungieren und in China ihr Glück suchen. Während die Ehepartner arbeiten, kochen sie, putzen die Wohnung, pflegen die Großeltern und helfen den Kindern bei der Schulvorbereitung. Das Problem wurde sogar bis hoch zu Indonesiens Präsident Bambang Yudhoyono getragen, dieser gab nun seine Entrüstung über die Behandlung seiner Landsleute kund.

Die knapp 320.000 Arbeiter aus Südostasien wurden somit zu einem Teil des Hongkonger Lebens, doch Rechte genießen sie wenige. Drei von fünf bezeichneten in einer Onlineumfrage den Umgangston zuhause mit rauem bis respektlosen Ton. Jeder Fünfte Arbeiter beklagte auch körperliche Übergriffe, sechs Prozent sexuellen Missbrauch. Zudem werden nicht wenige, wie manche Wanderarbeiter auf den großen Baustellen Chinas, von ihren Arbeitgebern gezwungen ihre Pässe abzugeben. Aber ohne diese haben sie vor der Volkspolizei keine Rechte und können Misshandlungen daher nicht anzeigen.

Die indonesische Gastarbeiterin Erwiana Sulistyaningsih, deren Fall das Fass zum Überlaufen brachte, wurde von ihrem chinesischen Arbeitgeber derart verdroschen, dass sie sogar zuletzt nicht mal mehr ins Krankenhaus laufen konnte. Onlinebilder der Frau aus einem Krankenhaus brachten die Gastarbeiter jetzt zu Tausenden auf die Strasse. Ihr Arbeitgeber wurde mittlerweile verhaftet. Was aber treibt die Südostasiaten nach China, Singapur und Japan? Viele sehen dort ihre einzige Chance auf regelmäßige Einkünfte. Im Internet war zu lesen, dass der Zustrom durch die Krise nicht unterbrochen werden würde, viele Südostasiaten werfen ihren Regierungen vor, mit ihren Plänen, Arbeitsplätze bereitzustellen, gescheitert zu sein.

Doch wie geht es den Gastarbeitern in Hongkong? Essen und Trinken ist ihrem Gehalt inklusive und viele dürfen ein eigenes winziges Zimmer in den ohnehin kleinen Wohnungen beziehen. Die meisten bekommen aber ein Gehalt unter dem Mindestlohn, also ca. 1.400 Yuan, etwa 160 Euro. Das komplette Geld wandert in den meisten Fällen in das Herkunftsland zurück. Westliche Ausländer, die in HK nur temporär verweilen zahlen oftmals das Dreifache. Der Volkskongress von Hongkong verweigert sich aber trotz der Proteste sich des Problemes anzunehmen, so wurde eine Erhöhung des Mindestlohnes direkt ausgeschlossen. Da die meisten Gastarbeiter keine politischen Rechte genießen und auch über keine Lobby verfügen, ist es daher leider nicht abzusehen, wann sich ihre Situation wirklich verbessert.

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~ von oyukidaruma - 05/03/2014.

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