Wukan – ein Jahr nach den Neuwahlen

Zhang Jianxing ist wieder mit seinem Walkie-Talkie, seinem Recorder und der Videokamera, mitsamt Ersatzbatterien und Aufladegerät, in Wukan unterwegs. So nimmt er – wie damals vor einem Jahr – das Geschehen auf. Wukan, das ist das weltberühmte Fischerdorf in Guangdong, 120 Kilometer östlich von Hong Kong. Der 22-jährige filmte damals als Hobbyjournalist das Geschehen um die Entmachtung des ehemaligen und korrupten Dorfkomitees, welches illegal Grundstücke von Bauern verkaufte. Dann verfolgte er mit seiner Kamera die offene und transparente Neuwahl, welche aus Lin Zuluan den neuen Bürgermeister machte.

Nun, mehr als ein Jahr nach den Neuwahlen wich der Zufriedenheit Enttäuschung und Frustration. Annähernd 40 Prozent des illegal verkauften Landes wurde immer noch nicht zurückgegeben und einige der Neugewählten Komiteemitglieder, auch diejenigen, die selbst Teil der Märsche waren, haben ihre Leidenschaft am Kampf gegen die immer noch tiefsitzende Korruption auf dem Land aufgegeben. „Die ältere Generation will sich nicht mehr mit Politik befassen, während die Jüngeren nach Demokratie rufen,“ erzählte Zhang der Global Times. „Es ist schwer mitansehen zu müssen, wie alles den Bach runter geht, nachdem wir so für unsere Gerechtigkeit gekämpft haben.“

Mit im Dorf zusammengesammelten 8.000 Yuan kauften Zhang und sein Freund Dutzende Walkie-Talkies und eine Videokamera um die Proteste filmisch zu begleiten. Um seine Berichte nach Aussen zu tragen, erstellte Zhang sich Sechs QQ Accounts und Acht Sina Weibo Accounts. Sein Handy war ständig an, so dass Reporter ihn immer erreichen konnten. Schnell bekam er den Nicknamen „Wukan’s one-man television“ oder auch „village head of public relations.“ Selbst Parteiführer in Beijing lobten Zhang für seinen Kampf für die Gemeinschaft und sein geschicktes Handling. Die Medien feierten ihn als „classic representative of the new generation.“

Trotzdem bleibt das verschlafene Wukan Zhangs Herzensangelegenheit. Vor kurzem klagte er in der China Daily darüber, dass das örtliche Bürgerbüro seine Reisefähigkeit einschränken würde seit dem Zwischenfall. Auf Nachfrage wäre ihm gesagt worden, dass man besorgt darüber sei, dass er von „externen Kräften“ beeinflusst werden könne. Zhang erzählte auch, er sei angewiesen worden, nur von seiner Heimat in seinen Blogs zu berichten, nicht aber von anderen Protesten im Lande. Während er sein soziales Netzwerk dennoch aufrecht erhält, wird er überwacht – und ab und an auch zensiert.

Im Gegensatz zu Komiteevorstand Lin, welcher den Medien erzählte, er bereue seine Beteiligung an den Wukan Ausschreitungen, sagte Zhang wenn er die Möglichkeit einer Wiederholung hätte, er würde es genauso wieder machen. „Diese Erfahrung hat mir die Augen geöffnet. Und es war die harte Arbeit wert. Ich bereue nichts von dem was ich tat,“ sagte er. Xiong Wei, ebenfalls in das Komitee gewält, beschuldigte Zhang sogar persönlichen Nutzen aus seiner Rolle bei den Ausschreitungen gezogen zu haben.

„Was hat der Junge seit den Protesten gemacht? Neue Kameras und ein ein neues Motorrad hat er sich gekauft!“ erzählte Xiong der Global Times, hinzufügend das Zhang sein gesamtes Bildmaterial an ausländische Medien verkauft habe. Zhang sei in Wukan immer noch Arbeitssuchend gemeldet, seit er seinen Job in Guangzhou hinschmiess. Zhang hat entschieden zu bleiben, weil er glaubte, die Bauern brauchen ihn noch. Er beharrt darauf, dass er niemals von seiner Rolle in den Wukan Protesten profitierte. So gab er erst vor kurzem an, sein Einkommen sei von Freunden und Unterstützern gespendet.

Zhang zuckte mit den Schultern während des Interviews, als er auf sein „bad boy“ Image angesprochen wird. „Wenn ich aufhören würde, mit dem was ich tue, wenn mich jemand kritisiert, würde ich niemals irgendetwas zustande bringen,“ sagte er. „Ich habe aufgehört darüber nachzudenken wie mich andere sehen, und tue einfach das, was getan werden muss.“

Wukan war das Thema in folgenden Beiträgen: https://oyukidaruma.wordpress.com/2012/01/14/zentralregierung-lost-das-problem-um-wukan-city/
und: https://oyukidaruma.wordpress.com/2013/03/18/demokratische-wahlen-zu-den-kongressen-waren-erfolgreich/

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~ von oyukidaruma - 12/08/2013.

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