Update: Shanghaier protestieren gegen den Bau einer Batteriefabrik

Mitglieder des Stadtbezirkes Songjiang haben die Diskussion über den Bau einer Batteriefabrik wieder aufgenommen, nachdem Anwohner aufgrund von Gesundheitsbedenken massiv gegen das Werk protestierten. So fuhren Anwohner beispielsweise mit mindestens 40 Autos mehr als zwei Stunden durch das Viertel und hupten. Die Bezirksregierung bezeichnet die Fabrik als eine der größten Chinas.

Mehr als 10.000 Einwohner, die in dem Bezirk leben, haben bereits eine Petition gegen den Bau unterzeichnet, welche an die lokale Regierung geschickt werden sollte, sagte einer der Organisatoren der Kampagne. Sie begannen schon Anfang Mai mit ihrem Protest, nachdem sie erfahren hatten, dass die Hefei Guoxuan High-Tech Power Energy Co eine Lithium-Ionen-Batteriefabrik in Songjiang plant. Die neue Fabrik könne jährlich bis zu 31.500 Sätze Batterien im Wert von fünf Milliarden Yuan (808,7 Millionen US-Dollar) produzieren, teilte das Unternehmen mit.

„Na toll! Da haben wir gerade Tausende von toten Schweinen aus dem Fluss (in Songjiang) gezogen, und jetzt kommt die Verschmutzung der Batteriefabrik dazu“, sagte ein Anwohner. Die Demonstranten wollten nur anonym interviewt werden. Einige zeigten sich besorgt, da Volkspolizisten damit anfingen Flugblätter zu entfernen, welche die Demonstranten auf Wände geklebt hatten, um andere Anwohner zu ermutigen, sich ihrem Protest anzuschließen.

Ihre Besorgnis rührt hauptsächlich aus einem Umweltgutachten her, das von einem Regierungsinstitut veröffentlicht wurde. Darin stand, dass sich insgesamt 34 Wohnviertel, ein Kindergarten und drei Flüsse innerhalb eines Umkreis von drei Kilometern um das geplante Werksgelände der Batteriefabrik befänden. Der Bericht, der vom Shanghai Research Institute of Chemical Industry ausgestellt wurde, behauptete, das Bauprojekt sei tragfähig, da die Fabrik nicht viel Umweltverschmutzung verursachen werde und laut einer öffentlichen Umfrage „die Anwohner das Projekt unterstützen.“

Die Anwohner bezweifeln diese Aussagen jedoch stark, und sie sind fest davon überzeugt, dass die Fabrik schlecht für die Umwelt und ihre Gesundheit ist. Nicht wenige erinnerten sich an einen Fall aus dem Jahr 2011, bei dem sich herausstellte, dass eine Batteriefabrik in Pudong für die übermäßigen Bleikonzentrationen im Blut vieler in der Nähe lebender Kinder verantwortlich war.

Inzwischen bezweifeln einige, ob die Bewohner das Projekt tatsächlich unterstützen, wie es in dem Bericht behauptet wird. Laut einer Website der Bezirksregierung Songjiang verschickte das Institut 150 Fragebögen, in denen das Projekt zu 68 Prozent unterstützt wurde. Ein Beamter der Bezirksregierung Songjiang wollte sich nicht zur Sache äußern. Er antwortete nur, zum Thema werde bald eine Pressekonferenz stattfinden.

Update 30.05.2013:

Laut einer Meldung der Stadtregierung von Shanghai wurde das Projekt für beendet erklärt. Der Unternehmer habe seine Investitionen in das Songjiang Programm zurückgezogen und werde das dafür bereitgestellte Werksgelände an die lokale Regierung, ohne Anspruch auf Entschädigung, zurückgeben. Das Unternehmen lenkte ein, nachdem Tausende Bewohner von Songjiang am südwestlichen Stadtrand von Shanghai, aus Sorge über mögliche Abwässer und Gasemissionen drei Mal gegen die geplante Fabrik demonstriert hatten. Eine vierte Demonstration war für dieses Wochenende in der Innenstadt von Shanghai geplant.

Eine Bewohnerin namens Zhu sagte am Mittwoch, die lokale Bevölkerung habe die geplante Anlage als Sicherheitsrisiko gesehen. Das Projekt habe viele verärgert und die Einstellung habe die Menschen aufatmen lassen, sagte sie. „Jeder schickt Textnachrichten mit der Neuigkeit und jetzt ist eine Feier geplant“, sagte sie. „Wir freuen uns über die Entscheidung des Unternehmens, weil wir Songjiang lieben und eine sichere und saubere Umwelt wollen.“

Die Pläne für die Fabrik auf einem 23 Hektar großen Grundstück im Industriepark von Songjiang wurden erstmals auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vom Gewerbegebiet und von Shanghai Guoxuan, einer Tochtergesellschaft von Hefei Guoxuan Hightech-Power Energy, im vergangenen Jahr vorgestellt. Trotz eines offiziellen Umweltgutachtens, wonach das Projekt nur eine gering Luft-oder Wasserverschmutzung verursachen werde, waren die Bewohner besorgt und begannen im vergangenen Monat mit der Organisation von Protesten. Beamte im Bürgerbüro Songjiang bestätigten heute, dass die Bezirksregierung nach Einstellung des Projektes alle notwendigen Aufräumarbeiten vornehmen werde.

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~ von oyukidaruma - 31/05/2013.

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