Gerichtsprozess reißt alte Wunden der Kulurrevolution wieder auf

In einem mit Spannung erwarteten Prozess gegen einen 80 jährigen Mann, in welchem er des Todschlages beschuldigt wird, reisst die alten Wunden der Kulturrevolution wieder auf. Die Zeit, in der Menschen wegen „falschem politischen Denken“ umgebracht wurden, ist niemals offiziell aufbearbeitet worden. Der Volksgerichtshof von Ruian muss nun ein heikles Verfahren gegen Qiu, welchem vorgeworfen wird, einen Arzt namens Hong 1967 getötet zu haben, bestehen. Insider berichteten der Presse, dass Qiu und mehrere Andere Hong erdrosselt und anschliessend seine Glieder gebrochen haben um ihm zu vergraben.

„Vorwürfe gegen Qiu wurden bereits in den frühen 80er Jahren eingereicht, aber Qiu gelang die Flucht vor dem Verhör, während Anderen Verdächtigen der Prozess gemacht wurde“, bestätigte Jin Xiuzhe, ein Pressesprecher des Gerichtes, der Global Times am Mittwoch. Qiu ging den Beamten im Juli in Ruian, in der Nähe von Wenzhou, bei einer Fahrzeugkontrolle ins Netz. Jin weigerte sich jedoch, weitere Details des Falles zu veröffentlichen, er „wolle keinen Druck aufbauen oder die Richter bei ihrer Arbeit beeinflussen. Erst nach einem Urteilsspruch sei mit der Offenlegung aller Akten zu rechnen“, sagte er.

Xue Zhongwei, ein leitender Richter am Gerichtshof von Ruian, welcher aber nicht an dem Fall beteiligt ist, bestätigte der Presse, dass der Prozess nach geltendem Recht zum Abschluss gebracht werde. Es sei allerdings zu beachten, dass der Fall in den frühen 80er Jahren eingereicht wurde, und damit unter die Verjährungsfrist von 20 Jahren fallen würde. Der Fall wurde mit starken und vielfältigen Reaktionen im chinesischen Netz aufgenommen. Einige forderten, Qiu dürfe nicht wegen einer Straftat verfolgt werden, die mehr als 40 Jahre zurück liege, während andere die Todesstrafe für den 80-jährigen forderten.

Einige prominente Blogger teilten die Ansicht, dass es an der Zeit wäre, die historischen Fakten der schlimmsten Periode der Kulturrevolution noch einmal zu überprüfen. „Es ist nicht richtig, Schuld bei Einzeltätern zu suchen, damals waren alle Täter. Das Rechtssystem war de facto nicht existent. Sowohl die Täter als auch Opfer wurden von politischen Gruppierungen jener Zeit ausgenutzt und für ihre Zwecke missbraucht“, erzählte Wang Shunan, Direktor des Instituts für Kriminologie an der China University of Political Science and Law. „Die schockierendste Tatsache an der Kulturrevolution war der Angriff auf die Menschenwürde, waren die Beleidigungen, der Missbrauch, die Misshandlung und die Prozesse. Die Gesellschaftsordnung war im Chaos versunken“, war in einem Kommentar der China Youth Daily am Mittwoch zu lesen, welche für eine Neueinschätzung der Ereignisse von damals eintrat.

„Ich musste mitansehen wie vor vierzig Jahren mein Vater von fünf Bauern zu Tode geprügelt wurde. Meine Familie und ich haben immer noch Ängste auszustehen, aufgrund des Mordes und seiner Grausamkeit,“ schrieb Han Youyi, bekannter Dozent für gerichtliche Angelegenheiten, gestern auf seinem Sina Weibo Blog….

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~ von oyukidaruma - 27/02/2013.

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