China muss die Rechte von AIDS Patienten stärken

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Der 36-jährige, von dem nur der Name Xu bekannt ist, kam damals in einem Taxi in Beijing mit einer Spritze in Berührung, welche im Zeitschriftenhalter hinter dem Vordersitz versteckt war. Die gelbe Flüssigkeit im Inneren enthielt auch HIV Antikörper. Tests brachten die Erlösung für Xu aber während der Wartezeit wurde sein Leben komplett zerstört. Seine Freundin verließ ihn und er musste seinen Job aufgeben, zuletzt lebte er nur noch isoliert und zurückgezogen. „Ich hatte Geschichten über Menschen gehört, welche mit vergifteten Spritzen infiziert wurden. Aber ich hätte nie gedacht, dass es mir passieren würde“, erzählte Xu den Medien.

Die Ermittlungen der Volkspolizei führten ins Nichts, es wurde weder ein Täter noch ein Motiv gefunden. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Gerüchte über die absichtliche Verbreitung von AIDS über versteckte Spritzen, aber die meisten konnten nicht bestätigt werden. Aber aufgrund dieser Geschichten nimmt die Angst und Stigmatisierung der Krankheit unter den Chinesen zu. Diskriminierung und AIDS gehören in China leider oft zusammen. Jedes Jahr kommen neue Horrorgeschichten im Internet auf, welche behaupten AIDS-Patienten hätten Blut mit Spritzen in Lebensmittel gespritzt. Allerdings liegt bis heute kein bestätigter Fall vor.

Die Kehrseite sind wahre Geschichten von Patienten welche Rache an der Gesellschaft geschworen haben. Gao Yaojie, eine bekannte AIDS Ärztin, schrieb in ihrem Buch über einen Mann, der sich an AIDS durch eine Bluttransfusion ansteckte. Da er das Krankenhaus nicht zur Verantwortung ziehen konnte, befüllte der Mann eine Spritze mit seinem Blut und attackierte den Krankenhauschef. „Es ist kein Geheimnis in China, dass trotz des Fortschrittes in den letzten zwei Jahrzehnten im Hinblick auf die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für AIDS, Menschen mit der Krankheit immer noch mit enormen Druck und Diskriminierung leben müssen“, sagte Meng Lin, Koordinator der Allianz der Menschen mit HIV (CAP +).

Die Rechte dieser Menschen im Bezug auf Beschäftigung, medizinische Versorgung und Reisefreiheit werden immer noch verletzt. Zuletzt weigerten sich Ärzte in einem Krankenhaus in Tianjin einen AIDS Patienten zu behandeln. Die Gesundheitsbehörden reagierten zwar schnell, aber das Problem betrifft das ganze Land. Es gab sogar schon Fälle, in denen Betroffene ihre medizinischen Unterlagen gefälscht haben. Zhao Bin, 22, wurde als HIV-positiv getestet, als er im Oktober 2011 Blut spendete. Im Juli wurde er in Chongqing in ein Krankenhaus mit Fieber eingeliefert. Als Zhao ihnen sagte, dass er AIDS habe, schickte das Krankenhaus ihn zur Zentrale für Infektionskrankheiten. „Die Ärzte haben trotz all ihrem medizinischen Wissen immer noch Angst“, bestätigte Zhao, welcher jetzt als Freiwilliger bei der Lanyu Group, einer Nichtregierungsorganisation zur Bekämpfung von AIDS, arbeitet.

In der chinesischen Rechtsauffassung ist das verbreiten von sexuell übertragbaren Krankheiten strafbar. Allerdings nur durch Prostitution, nicht in einer Ehe oder einer Beziehung. Yang Shaogang, bekannter Rechtsanwalt, Blogger und Berater des Volkskongresses von Shanghai, gehört zu den Befürwortern einer härteren Gangart gegen beabsichtigtes übertragen von Krankheiten. Yang wurde landesweit bekannt mit der Vertretung von zwei Frauen, welche jeweils ihre Ex-Ehemänner verklagt haben, da diese sie mit AIDS angesteckt haben. Das Volksgericht entschied zu Gunsten der Frauen in beiden Fällen.

Yang fordert seit Jahren, wer eine Krankheit verbirgt oder andere damit wissentlich infiziert, sollte hart bestraft werden. Aber solche Vorschläge werden von den Gegnern als  Diskriminierungen abgetan. Juristen und Rechtsexperten befürchten, dass vorsätzliche Übertragung extrem schwierig zu beweisen wäre und, dass die Angst vor der Kriminalisierung mehr schaden als nützen würde. „Wir wollen nicht alle AIDS Kranken kriminalisieren“, fordert Meng und fügte hinzu, dass in Fällen des Vorsatzes, das geltende Recht asureiche, um die Täter zu bestrafen. Der nationale Volkskongress stemmte sich 2008 gegen eine Verschärfung des Rechts, da diese die öffentliche Gesundheit und den Menschenrechten schaden würde.

Nachdem die Ärzte Xu gesagt haben, dass HIV-Antikörper in der Spritze des Taxis gefunden wurden, konnte er nur noch wenig essen und fühlte sich ständig schlecht. „Worte können nicht beschreiben, welche Schrecken und Ängste man mit der Gewissheit verspürt“. Er traute sich auch nicht seinen Eltern davon zu erzählen. Obwohl für ihn alsbald die erlösende Nachricht kam, dass er nicht an HIV leidet, sagte Xu, er hasse die Person, die die Spritze in das Taxi gelegt habe, aber er könne auch verstehen, warum die Kranken Rache an der Gesellschaft nehmen wollen. Als er in seiner Zeit der Ungewissheit den Film Love for Life schaute, erkannte sich Xu wieder. „Während der Zeit des langen Wartens, dachte ich oft über diesen Film nach und sah ihn immer wieder an“, sagte Xu,“ Und die Leute sollten endlich verstehen, so wie ich.“

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~ von oyukidaruma - 04/12/2012.

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