Landesweite Protestzüge gegen Japan zum Jahrestag des Mukden-Zwischenfalles

Am 18. September 1931 um 22 Uhr verübten zwei Offiziere der japanischen Spezialeinheit der „Kwantung-Armee“, einer davon war vermutlich ein Spion, bei der Stadt Mukden in der Mandschurei, einen Sprengstoff-Anschlag auf die Südmandschurisch-chinesische Eisenbahn. Der Explosion folgte ein Feuergefecht zwischen Japanern und Chinesen. Danach nahmen die Japaner die Stadt Mukden, ohne vorherige Absprache mit ihrem Oberkommando, ein. Der Tag gilt in China heute noch als Tag der Wut.

Auf den verschiedenen chinesischen Social Communities wie QQ, Weibo oder Ren Ren werden täglich unzählige Nachrichten und Aufrufe zu Protestaktionen verbreitet. Parolen wie „Diaoyu-Inseln gehören zu China“, „Gegen Japan“, „Gegen japanische Produkte“ sind auf vielen Internet-Foren zu lesen. Ein Autobesitzer in Shanghai reagierte auf ein Demoverbot  mit der öffentlichen Verbrennung seines Hondas. Nach gewaltsamen antijapanischen Protesten bemüht sich die Regierung nun um Entschärfung und Deeskalation. So wurde zum Jahrestag des Mukden-Zwischenfalles mit Festnahmen von Demonstranten gedroht. Mehrere Blogs und Protestseiten im Internet wurden vorübergehend vom Netz genommen. Direkt vor der japanischen Botschaft in Beijing demonstrierten etwa 100 Menschen gegen den Anspruch Tokyos auf die unbewohnten Inseln. Den Demonstranten standen etwa 1.000 Beamte des roten Bambus gegenüber.

Die chinesische Regierung hatte Japan gewarnt, ein Kauf der Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt werden, werde Konsequenzen haben. Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, übergeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber seit Jahrhunderten von China, bzw. Taiwan.

Tausende folgten trotzdem den Aufrufen und demonstrierten gestern in mehr als zwei Dutzend Städten gegen die japanische Politik. Auch in den USA protestierten einige Hundert Menschen in den Chinatowns von New York und San Francisco. Die im Streit um die Inseln wiederbelebten Ressentiments fallen in China auf fruchtbaren Boden, da historisch bedingt die antijapanische Stimmung  im Lande wächst. Als einige Teilnehmer der Kundgebung vor der japanischen Botschaft in Beijing versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen, wurden sie von der bewaffneten Volkspolizei zurückgedrängt. Auch in anderen Metropolen kam es zu antijapanischen Kundgebungen. In Qingdao mussten unbewaffnete Polizisten vor der Menge fliehen, woraufhin diese eine Fabrik des Elektronikkonzerns Panasonic sowie ein Autohaus des Autobauers Toyota in Brand steckten. In der Stadt Changsha wurde ein Warenhaus der Firma Heiwado geplündert. Außerdem wurden japanische Supermärkte in Hongkong leergeräumt.

Heute waren vor den Botschaften Beijings, Shanghais und Hongkongs mehr Polizisten als Demonstranten zu sehen. Der Suchbegriff „antijapanische Proteste“ waren zeitweise im kompletten chinesischen Internet geblockt. Das Büro des roten Bambus in Shenzhen rief die Bürger im Internet auf, „ihren Patriotismus auf rationale, zivilisierte und gesetzestreue Art und Weise zu zeigen“. SMS wurden an Hunderte Demonstranten verschickt.

Shenzhen unterdrückte Mukden Protestzüge und liess Polizisten mit Tränengas auf Randalierer feuern. Im benachbarten Guangzhou brachen Demonstranten in ein nahe dem japanischen Konsulat gelegenes Hotel ein und verwüsteten ein japanisches Restaurant. Japan forderte China auf, die Sicherheit seiner Staatsbürger sowie der Unternehmen zu gewährleisten. „Unglücklicherweise hat diese Angelegenheit Einfluss auf die Sicherheit unserer Bürger und verursacht Schäden am Eigentum japanischer Firmen“, sagte Premier Yoshihiko Noda am Sonntag im Staatsfernsehen NHK.

In 160 Ländern, darunter der USA, Australien, Großbritannien, Österreich, Brasilien und den Philippinen, hat die Organisation der Auslandchinesen Japans Vorgehen scharf verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung haben die Organisationen der chinesischen Regierung ihre Unterstützung bei der Wahrung der staatlichen Souveränität zugesagt. Chinesische Studenten in Deutschland protestieren gegen Japans „Inselkauf“ vor der japanischen Botschaft. Auch in vielen taiwanesischen Städten kam es zu Kundgebungen.

Feuer ins Öl war die Ankündigung der Erbauung eines Raketenschildes von amerikanisch-japanischer Seite aus. Ziel sei es, die Region vor einer Bedrohung aus Nordkorea zu schützen. Das System richte sich nicht gegen China, betonten Regierungsbeamte der USA und Japans. Zu einer Entspannung des Konfliktes trug die Nachricht sicher nicht bei.

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~ von oyukidaruma - 19/09/2012.

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