Chinesische Regierung unterdrückt die Opfer des Milchskandales nicht

Das bestätigte Chinas Regierungssprecherin Jiang Yu Anfang der Woche. Berichte aus dem Westen, wonach sowohl die Opfer des Skandales als auch deren Rechtsanwälte Drangsalierungen ausgesetzt seien, sind „erstunken und erlogen“. Bis Ende 2011 wurden demnach für chinesische Kinder, die von Melaminmilch vergiftet wurden, insgesamt rund zwölf Millionen Yuan (1,49 Millionen Euro) aufgewendet. Bestätigt wurden diese Zahlen von der Versicherungsgesellschaft China Life auf ihrer Website.

Jiang Yu bestätigte den Tod von sechs Kindern, welche durch verseuchte Milch im Jahr 2008 ums Leben kamen. Über 300.000 Kinder erkrankten. Chinas zerschlagener Molkereigigant Sanlu und 21 andere Unternehmen kontaminierten ihre Produkte nachweislich mit Melamin, einer Chemikalie, die Nierenprobleme verursachen kann.

Nach der Zerschlagung der schuldigen Unternehmen mussten diese einen Fonds im Wert von 200 Millionen Yuan (24,8 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, um damit die Opfer und ihre Familien zu kompensieren. Bei 300.000 erkrankten Opfern sind das im Schnitt 666 Yuan (82 Euro) pro Kind. Das Geld soll zur Behandlung aller chronischen Symptome verwendet werden, die die Opfer infolge der Vergiftung bis zu ihrem 18. Geburtstag erleiden. Danach werden die Zahlungen eingestellt.

China Life ist von der Justiz mit der Verwaltung des Fonds betraut worden. Laut der Online-Ankündigung der Versicherung wird der im Juli 2009 aufgestellte Fonds dazu verwendet, betroffene Kinder ab Ende 2011 bis 2055 zu behandeln. China Life zufolge wurden fast 3,4 Millionen Yuan (422.000 Euro) an 512 Kinder (Jahr 2011) gezahlt, also im ca. 6640 Yuan (824 Euro) pro Kind.

Der Melaminmilch-Skandal zog im Jahr 2008 nationale Aufmerksamkeit auf sich, als in der nordwestchinesischen Provinz Gansu bei 14 Säuglingen Nierensteine diagnostiziert wurden. Bald darauf wurden weitere Fälle aus anderen Provinzen gemeldet und im September gab das Ministerium für Gesundheit bekannt, dass die 59 erkrankten Säuglinge alle die gleiche Marke von Milchpulver verzehrt hatten.

Einen Tag später musste die Sanlu-Gruppe, die fünf Monate nach Bekanntwerden des Skandals pleite ging, gestehen, dass ihre Milchbauern die Milchprodukte mit Melamin versetzten, um einen höheren Eiweißgehalt vorzutäuschen. Daraufhin führte die Generalverwaltung für Qualitätskontrolle eine Inspektion von 109 Unternehmen durch, welche Säuglingsnahrung herstellen. 22 chinesische Molkereiunternehmen panschten Milchpulver für Säuglinge, mitsamt der Sanlu-Gruppe.

Der Melaminmilch-Skandal hatte einen umfassenden Einfluss auf das Verbraucherverhalten in China. Eine Umfrage eines ausländischen Herstellers ergab, dass 49 Prozent der befragten chinesischen Mütter glauben, ein hoher Preis gehe mit hoher Qualität einher. Eine bestimmte Marke von importiertem Milchpulver wurde von Supermärkten viermal so teurer verkauft wie im Online-Shop des Herstellers, so der Bericht.

„Ein in Deutschland hergestelltes, organisches Baby-Milchpulver, dass ich in der Regel im Supermarkt Jusco einkaufe, kostet dort 318 Yuan (39,45 Euro) für eine 600-Gramm-Packung“, erzählte eine Mutter gegenüber der Guangzhou Daily. Der deutsche Hersteller Töpfer bietet das gleiche organische Baby-Milchpulver auf seiner offiziellen Website für 9,95 Euro an, was etwa 80 Yuan entspricht. Läden auf dem chinesischen Festland verlangen also den vierfachen Preis.

Die Mehrkosten des importierten Milchpulvers rühre hauptsächlich von Einfuhrzöllen und Inspektionsgebühren, was etwa 30 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises ausmache, zitiert die Zeitung Wang Dingmian, Vorsitzender des Molkereiverbandes Guangzhou.

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~ von oyukidaruma - 23/05/2012.

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