Chen Guangcheng hatte bei seiner Flucht Hilfe aus dem Politbüro

Die Berichte der westlichen Medien, wonach Chen aus eigener Kraft und mit der Unterstützung einzelner Freunde und Dissidenten die Flucht vom ländlichen Shandong in die Hauptstadt bis zur amerikanischen Botschaft gelangte, sind falsch. Experten, Analysten und selbst China kritische Sprachrohre sind sich darin einig, dass er die Unterstützung einiger der hochrangigsten Politiker des Landes hatte. Insider bestätigten diese Annahmen nun.

Nach Berichten aus Insiderkreisen in Beijing, beruhte die Flucht des Anwaltes Chen Guangcheng aus seinem von der Lokalregierung verhängten Hausarrest nicht auf reinem Glück, sondern sei von Premier Wen Jiabao unterstützt worden. Ein hochrangiger Informant innerhalb der Partei äußerte sich gegenüber der chinesischen Epoch Times: „Das Personal von Wen Jiabao hat einen Teil der Polizisten, die Chen überwacht haben, abgezogen und durch Loyalisten ersetzt.“ Experten sehen darin eine Verschärfung der politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Wen Jiabao und Zhou Yongkang, dem Vorsitzenden des Komitees für Politik und Recht. Die New York Times und BBC berichteten, dass nachdem die Wen loyalen Polizisten abgezogen wurden, es Chen Guangcheng mit Hilfe von Freunden schaffte über mehrere Mauern zu klettern, einen Fluss zu überqueren und sein Dorf zu verlassen. Der Informant wollte verstanden haben das der gut durchdachte Plan nur eine begrenzte Rolle bei seiner Flucht gespielt habe. „Die Anhänger von Wen haben einen Teil der Wächter auf ihre Seite gebracht und sie vorher über seine Flucht und den ungefähren Zeitraum informiert.“

Medien aus Hongkong zitierten Aussagen von weiteren Informanten, welche diese Version untermauerten. Diesen gaben an, Chen Guangcheng habe bei seiner Flucht von vielen Seiten Unterstützung bekommen. Die Polizisten vor seiner Haustür hätten „aus Gewissensgründen die Augen geschlossen“ und ihn entkommen lassen. Polizisten aus Beijing hätten ihm gesagt: „Wenn du fliehen willst, werden wir so tun, als ob wir nichts gemerkt haben.“ Im Jahr 2008 hatte Chens Frau einen Brief an Wen Jiabao geschrieben und ihn gebeten, die Aufmerksamkeit der Führungsebene der Partei auf die demütigende Situation von Chen Guangcheng zu lenken. Nach Aussage des Informanten habe Wen Jiabao damals den Befehl gegeben, Chen unverzüglich aus dem Arbeitslager zu entlassen. Seine Forderung fand jedoch im Politbüro keine Mehrheit. Zhou Yongkang hätte damals argumentiert, so der Informant, dass „die Handlanger“ feindseliger ausländischer Kräfte streng bestraft werden müssten.

Unterdessen wird aktuell nicht ganz klar was Chen will oder vorhat. Washington bekräftigte, dass Chen die Botschaft auf eigenen Willen hin verlassen habe. Gary Locke bestätigte  nochmals, es sei keinerlei Druck ausgeübt worden. Chen sei „aufgeregt und begierig“ gewesen, wieder zu gehen. Nach dem Verlassen der Botschaft kritisierte Chen allerdings die USA, da er ab dann keinerlei Unterstützung mehr bekam. Danach gab er an, es gebe Morddrohungen gegen seine Familie und er wolle deshalb die Volksrepublik verlassen. Ein US-Beamter wiedersprach ihm, und bestätigte Diplomaten stünden in Kontakt mit ihm und seien bereit, ihn bei einer Ausreise zu unterstützen. Es sei weiterhin unklar, was Chen wolle.

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~ von oyukidaruma - 03/05/2012.

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