Chinesen misstrauen Apples „Weichspül Show“

Nach der Vorstellung des neuen Apple Firmenchefes Tim Cook soll sich der Konzern  öffentlichkeitswirksam der eigenen Verantwortung stellen. So trat das Unternehmen dieses Jahr trat der Fair Labor Association bei. Wie Apple nun bekannt gab, wurden Kontrolleure der Fair Labor Association eingeladen um „spezielle, freiwillige Untersuchungen von Apples Endmontage-Zulieferern, also den Foxconn Fabriken vorzunehmen“. Die Ergebnisse werden in Apples Bericht „Verantwortung der Zulieferer“ veröffentlicht. Ein anderer, von Apple zusammengestellter Text, der „Fortschrittsbericht 2012“ steht schon seit Beginn des Jahres zum Download bereit.

Nationale und Internationale Organisationen sehen allerdings Zweifel: Taren Stinebrickner-Kauffman von Sumofus.org macht deutlich: „Wir hoffen, dass das ein Schritt in Richtung Lösung ist, aber es ist bei weitem nicht die Lösung selbst. Die FLA hat keine große Erfolgsgeschichte bei der Durchführung effektiver Untersuchungen vorzuweisen.“ Die Organisation sei in Wirklichkeit ein Organ der industriellen Öffentlichkeitsarbeit, eine Antwort auf die seit einigen Jahren wachsende Kritik an den Produktionsbedingungen vor allem in der Modeindustrie.

Zum Vorstand der FLA gehören Vertreter von Nike, dem Saatgut-Hersteller Syngenta, dem Textilhersteller Hanes und der Sportbekleidungsgruppe Russell Brands – multinationale Konzerne, die wegen ihrer Geschäftspraktiken in der Vergangenheit immer wieder kritisiert wurden. Hanes beispielsweise, hat einer WikiLeaks-Datei zufolge, politischen Druck auf die US-Regierung ausgeübt bis diese die Regierung von Haiti überzeugte, den Mindestlohn nicht von 24 auf 61 US-Cent die Stunde zu erhöhen. Grund war die günstige  T-Shirt-Produktion.

In einem Artikel der „New York Times“ Ende Januar warfen frühere Manager dem Apple-Konzern vor, nur an der Verringerung der Produktionskosten interessiert zu sein und bei Missständen ein Auge zugedrückt zu haben. Den Vorwurf der Ausbeutung will der neue Apple-Chef Tim Cook aber nicht mehr auf sich sitzen lassen: „So sind wir nicht. Wir sind eher der Überzeugung, dass die Beschäftigten überall auf der Welt ein Recht auf ein sicheres und faires Arbeitsumfeld haben“, sagte Cook.

Chinesische Arbeitsrechtsexperten und Regierungsvertreter bleiben skeptisch. „Die Ergebnisse sind nicht glaubwürdig, wenn die Untersuchung nur durch eine Tour mit Führer über ein paar Wochen erfolgt“, sagte der Arbeitsrechtler Huang Leping. „Es müsste eine langfristige Aufsicht geben und Ermittlungen ohne Einschränkungen.“ Eine dazu passende und am Wochenende verkündete Lohnerhöhung von 16 bis 25 Prozent ist für viele Chinesen nur der Versuch einer Schadensbegrenzung. „Die öffentliche Diskussion hat die Gehaltsanhebung beeinflusst“, stellt He Xiaoxia von der Umweltschutzgruppe Green Beagle, die den Umgang mit gefährlichen Stoffen in den Fabriken angeprangert hatte, fest. Ähnlich äußert sich der Arbeitsrechtler Shen Binti. „Es hat direkt mit den Ermittlungen zu tun.“ Abzuwarten bleibe auch, wie sich die Anhebung des Grundlohns am Ende auf die gesamten Bezüge auswirke.

Ein Arbeiter am Fließband bei Foxconn in der Metropole Shenzhen in Südchina liegt aber auch nach der Erhöhung mit einem Anfangsgehalt von 1800 Yuan (215 Euro) im Monat nur um 300 Yuan über dem gesetzlichen Mindestlohn. „Das ist kaum ein bedeutender Unterschied und mit Sicherheit nicht genug, um ein menschenwürdiges Leben in einer der teuersten Städte Chinas zu führen“, findet auch Geoffrey Crothall von der unabhängigen Organisation China Labour Bulletin, die sich um Arbeitsbedingungen in China kümmert. „Nach den Aussagen von Mitarbeitern, die bei uns Rechtshilfe suchten, ist Foxconn definitiv kein Modellunternehmen“, gibt Anwalt Huang Leping zu verstehen.

 

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~ von oyukidaruma - 22/02/2012.

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