Integration der Wanderarbeiter muss oberstes Ziel der neuen Führung werden

Nächstes Jahr stehen Neuwahlen in Politbüro und Staatsrat an. Unabhängig davon welche Fraktion ab dann das Ruder in China übernimmt die Lösung eines Problemes lässt sich nicht länger aufschieben. Chinas Wanderarbeiter werden in der aktuellen Volkszählung mit 221 Millionen angegeben, diese Summe entspricht 16,5 Prozent aller Chinesen. Mit der Zahl wächst auch das Problem, denn die Wanderarbeiter genießen, obwohl sie sich mittlerweile genauso zu Wahlen aufstellen lassen können wie alle anderen, nicht die gleichen Rechte wie Ortsansässige. Dadurch entstehen Schwierigkeiten bei der Integration in das großstädtische Leben.

Ein Bericht über die Entwicklung der Migrantenpopulation Chinas wurde am Sonntag von der Nationalen Kommission für Bevölkerung und Familienplanung veröffentlicht. Er muss dem Politbüro als Leitfaden dienen, da er Pläne für die Urbanisierung und die Verwaltung der Bevölkerung formuliert. „Ein gutes Management der kolossal treibenden Bevölkerung Chinas ist entscheidend mit der allgemeinen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung verbunden, und diese muss dringend verbessert werden“, warnte Zhang Chunsheng, Direktor der Generaldirektion der Kommission bei der Vorstellung des Berichts.

Während der letzten drei Jahre erhöhte sich Chinas Anzahl an Landflüchtlingen um etwa zehn Millionen pro Jahr. Ganze Ortschaften und Dörfen entwickelten sich bereits zu Geisterstädten. Eine Berechnung des Staatsrates im Sommer geht von weiteren 300 Millionen Abgängern in den nächsten 30 Jahren aus. „Bei solch großen und schnellen Bevölkerungsverschiebungen betritt Chinas Urbanisierung eine kritische Phase und ihr Management muss weiter gestärkt werden, um mit den dabei auftauchenden neuen Problemen umzugehen“, erläuterte Zhang.

Zu diesen Problemen gehört die „Krankheit der Stadt“, die eine Reihe von sozialen Problemen umfasst, die sich aus den riesigen Bevölkerungsbewegungen in die großen Metropolen ergibt: Armut, Abrisse von Wohngebäuden und Herausforderungen für die Nachhaltigkeit von Megastädten in Bezug auf die natürlichen Ressourcen und die Umwelt, ein fundiertes soziales Management und das Erbringen von öffentlichen Dienstleistungen. „Das grösste Problem allerdings ist das ausufernden Wohlstandsgefälle zwischen Wanderarbeitern und Städtern. Dieses Problem alleine könnte die soziale Stabilität zum Wanken bringen“, warnte jüngst Wang Qian, ein Experte der Kommission.

Dem Bericht zufolge wollen mehr als 76 Prozent der jüngsten Generation der Arbeitsmigranten, (diejenigen welche nach 1980 geboren wurden) dauerhaft in den Metropolen leben, in welchen sie auch arbeiten, sind aber zugleich besorgt angesichts der hohen Kosten des städtischen Lebens und des schlechten Zugangs zu Sozialleistungen wie Bildung, medizinische Versorgung, Unterkunft und sozialen Sicherheit. Etwa 4,5 Prozent der Arbeitsmigranten verdienen weniger als 500 Yuan (rund 50 Euro) pro Monat, 27 Prozent weniger als 1000 Yuan, und 20 Prozent können es sich überhaupt nicht leisten, in den Städten zu leben.

Schlechte Fähigkeiten und kaum Zugang zu Berufsausbildungen sind vor allem an solch niedrigen Einkommen, welche noch unter dem Mindestlohn liegen, Schuld, sagte Zhang. Nur 17,8 Prozent der Migranten haben Berufsbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen der Regierung in Anspruch genommen. Basierend auf den Erfahrungen der jüngsten Welle der Urbanisierung reagierte der Staatsrat mit verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung des Volkslebens von Migranten. Dazu gehören nicht nur eine grundlegende Gesundheitsversorgung sondern auch Sozialleistungen, die Migranten an ihren Arbeitsstätten zur Verfügung gestellt werden.

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~ von oyukidaruma - 04/11/2011.

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