Fu Ying erklärt dem Westen: Hochmut kommt vor dem Fall!

Fu Ying auf, seit 2010 im Amt als eine Vize Aussenministerin, fällt in China durch zwei Merkmale auf: Als Angehörige der Nationalen Minderheit der Mongolen und als Frau. Seit Gründung der Volksrepublik China ist sie die zweite Frau, die dieses Amt innehat.

In den letzten zwei Jahren fand Fu Ying wegen des ausgezeichneten Profils, das sie in den Augen vieler Chinesen als Botschafterin in London erworben hat, allgemeine Anerkennung und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Viele Menschen wurden durch ihre Artikel und Bücher auf sie aufmerksam.

Im April 2007 hatte Fu Ying gerade ihren Dienstposten als neue Botschafterin in Großbritannien angetreten, als sie auch schon am „Anglo-Chinesischen Medienforum“ teilnahm. Sie suchte den Kontakt mit den Medien, war furchtlos und unerschrocken, wenn es galt,  Kritik an China zurechtfertigen. Später besuchte sie oft die Führungsetagen großer Medienunternehmen, trank dort Tee und pflegte Small Talk. Oft verlieh sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Medien über das wahre China berichten mögen. Auf den Websites der wichtigsten britischen Tageszeitungen stand ihr eine Kolumne zur Verfügung, in der sie mit einigen persönlichen Farbtupfern versehen den Standpunkt der chinesischen Regierung darlegen konnte. Es sind Zeitungen, die vom breiten Mittelstand Großbritanniens gelesen werden. Hier wird Meinung gebildet, die sich in politischen Willen umsetzt. „Der Mittelstand bildet den Kern der englischen Gesellschaft, diesen Teil der Bürgerschaft zu überzeugen, ist sehr wichtig“, sagt Zeng Biao, ein chinesischer Student, welcher in Großbritannien studiert. 

Cai Fangbai, der ehemalige chinesische Botschafter in Frankreich, sieht in den Aufgaben eines Botschafters China zu präsentieren und den Kontakt zur Welt herzustellen. Aber jeder Botschafter pflegt seinen eigenen Stil. Fu Yings Stärke ist, dass sie ein großer Redner ist. Sie versteht es, sich in die Denkweise der Briten einzufühlen, und nicht einfach die üblichen Klischees zu wiederholen, mit denen Chinesen im Ausland die Welt noch immer zu beeindrucken versuchen,“ sagt Cai. 

Tatsächlich ist Fu Ying bereits als Botschafterin in Australien für ihren individuellen Stil im Umgang mit der Öffentlichkeit positiv aufgefallen. Brendan Nicholson, Hauptstadtreporter der Tageszeitung „The Age“, hat Fu Ying oft interviewt. Am meisten hat ihn eine Begegnung im Juni 2005 beeindruckt. Damals hatte Fu Ying bei einer Buchvorstellung moderiert, aber alle Fragen der anwesenden Journalisten drehten sich nur um Chen Yonglin. Chen Yonglin war Erster Sekretär des chinesischen Konsulats in Sydney gewesen. Wenige Tage zuvor hatte er gemeinsam mit seiner Frau und Tochter das Konsultat verlassen und sich in Australien um politisches Asyl beworben. Vor den Medien hatte Chen erklärt, dass seine Aufgabe die Überwachung von chinesischen Dissidenten und Falun Gong- Anhängern in Australien gewesen sei, und  dass China im Gastland ein Heer von 1000 Spionen unterhalte. Entsprechend aggressiv fielen die Fragen der australischen Medienvertreter bei der Begegnung mit der Botschafterin aus. Lächelnd und betont ruhig entgegnete Fu Ying: „Wenn ich so umfangreiche Geheimdienstaktivitäten koordinieren müsste, wie könnte ich da noch Zeit haben, mich hier mit Ihnen zum Gespräch zu treffen?“ In China wurde ihr dies als schlagfertige Antwort aufs Sympathiekonto verbucht.

Der ABC Radio-Journalist  Graeme Dobell hebt hervor, dass Fu Ying im Vergleich zu ihrem Vorgänger auf dem Botschafterposten einen gewissen Stilwechsel vollzogen hatte: „Seit März 2004 war sie in Australien. Niemals  hat sie die Medien mit der Floskel ´Kein Kommentar´ abgespeist.“ Wie jeder Journalist weiß auch Dobell auskunftsbereite Politiker zu schätzen. Gut erinnert er sich an die Antwort von Fu Ying bei einem Exklusivinterview über die Taiwanfrage. Fu Ying sagte: „Die Chinesen werden eine Unabhängigkeit Taiwans nicht akzeptieren. Das ist doch wie bei zwei Brüdern, die ein Haus von ihren Eltern geerbt haben. Wir sind zwar Brüder, aber wir hassen einander. Wir verschließen die Tür voreinander. Aber wir werden nicht das Dach einreißen. Wir haben vor, das Erbe der Eltern zu erhalten.“

In China wird Fu Ying oft als „Krisenexpertin“ bezeichnet. Während ihrer Botschaftertätigkeit ist ihre Spezialität, sich aktiv im gesellschaftlichen Umfeld zu bewegen. Sie ist eine ausgezeichnete Gesprächspartnerin. Sie ist imstande, Geschichten zu erzählen, persönliche Eindrücke widerzugeben, anstatt nur hohle Phrasen zu dreschen. Vor allem gelingt es ihr, individuelle Lebensgeschichten mit einer Reflexion über Aufstieg und Niedergang der Nation zu verknüpfen.

In ihrem Buch „Chinas Entwicklung: Harmonie und Frieden“, welches sie unter anderem an der Cambridge Universität vorgestellt hat, schreibt Fu: „Ich erinnere mich an meine Studentenzeit in China. An der Uni haben wir Kommilitonen uns untereinander immer mit der Formel  ´Hast du schon gegessen?´ begrüßt. Kommt man einem Jugendlichen heute mit diesem Spruch, dann erntet man nur die verdutzte Antwort: „Hast du sonst keine Sorgen?“

Dann schlägt Fu den Bogen zu China: „Heute besitzen 310 000 Familien in China ein Vermögen von über einer Million US-Dollar, die Zahl wird sich bis 2015 noch verdoppeln. In den Städten gibt es je 100 Familien 153 Handys, 47 Computer und vier Autos.“

Damit man nicht denkt, Fu Ying würde nur die Erfolgsgeschichte des Landes groß hinausposaunen, kommt sie gleich auf die Schattenseiten zu sprechen und hebt hervor, was Beijings Spitzenpolitiker stets wiederholen: China sei noch immer ein Entwicklungsland. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der chinesischen Bevölkerung betrage nur ein Achtzehntel des BIP Großbritanniens. Das ist ganz im Sinne der Worte von Premier Wen Jiabao: „Egal, wie klein ein Problem ist, für ein Land mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ist es immer riesengroß! Egal, wie groß die Gesamtwirtschaft ist, geteilt durch 1,3 Milliarden ist sie sehr klein!“

Gerne führt sie auch Worte von Deng Xiaoping im Munde: „China ist groß, aber auch klein; China ist stark, aber auch schwach“, und erklärt dazu den Briten: „Das ist noch immer Realität in China. Ich spreche darüber, weil China sich noch auf lange Zeit darauf konzentrieren muss, seine inneren Probleme zu lösen. Das heißt aber nicht, dass China sich der Verantwortung auf internationaler Bühne entziehen will.“

Als sie Australien verließ, um Botschafterin in Großbritannien zu werden, fand sie vielfach Lob in der Öffentlichkeit, aber sie dachte stets, man solle den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber auch nicht die Naivität der britischen Middle Class überschätzen: Vor allem Fu Yings Äußerungen zu Fragen, die Probleme der Nationalen Minderheiten Chinas betreffen, wurden von britischen Lesern oft als politisch motivierter Ethnokitsch wahrgenommen, der nichts mit der Alltagsrealität Chinas zu tun hat.

Der Blogger „Beijing 101″ sprach für viele, als er am 13. Juli 2009 einen Artikel Fu Yings auf der Website des „Guardian“ folgendermaßen kommentierte: „Der Artikel folgt dem gewohnten Muster, das bereits nach den Unruhen in Tibet angewandt wurde. Die Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlicht plumpe und, offen gesagt, lächerliche Kommentare, welche die mit Scheuklappen versehene Linie der Regierung unterstreichen. Anschließend umschreibt die Botschafterin die Auffassung der Regierung in einer Weise, die sie für die westliche Öffentlichkeit genießbar machen soll, in Wirklichkeit aber nicht von der Grundaussage abweicht. Es bleibt der gleiche Unwille, danach zu fragen, warum die gegenwärtige Politik Chinas zu ethnischen Konflikten führt. Ich habe keinen Zweifel, dass Botschafterin Fu diese Probleme im privaten Kreis selbstverständlich anspricht.“ 

1985 markierte einen wichtigen Einschnitt in Fu Yings Leben: als Glückskind, das früh auf Staatskosten nach Großbritannien zum Studium geschickt wird, beginnt sie am Rutherford College an der Universität Kent ein Magisterstudium im Fach Anglistik, das sie bereits 1986 abschließt.

Diese Erfahrung hat sie geprägt. In einer Rede erinnert sich Fu: „Meine ernsthafte Lebensauffassung und meinen Lernfleiß verdanke ich meinem Studium an der Universität Kent. Aber noch wichtiger war die Tatsache, dass ich Gelegenheit hatte, in einem westlichen Land zu leben und mich mit Briten und Studenten aus aller Welt austauschen zu können.“

Während ihrer Ausbildung an der Parteischule des Zentralkomitees schrieb Fu Ying eine Arbeit mit dem Titel „Taoguang Yanghui und diplomatische Praxis“. Taoguang heißt auf Chinesisch „Glanz verbergen“ und Yanghui heißt „sich in einer unauffälligen Ecke entfalten“. Vor einigen Jahren hat ein amerikanischer Sinologe „Taoguang Yanghui“ so übersetzt: „Die Zähne zusammenbeißen und den rechten Augenblick abwarten“. Verständlich, dass diese Lesart die Furcht vor einer chinesischen Bedrohung verstärkt. Eine wohlwollendere Übersetzung wäre hingegen: „Mehr sein als scheinen“.

In einem Vortrag vor Vertretern der britischen Führungsschicht erklärte Fu Ying dann auch, dass „Unterschiede in Sprach- und Denkmustern häufig zu Missverständnissen führen.“ Fu Ying half dabei, einen Rekord zu brechen: Im Dezember 2005 gab es die größte Teilnehmerzahl an einem der traditionellen Mittagessen des Melbourne Mining Clubs, einer Gesellschaft zur Förderung der australischen Bergwerksindustrie. Fu Ying sprach vor 550 Menschen Gästen zum Thema „Das moderne China und seine Beziehungen zu Australien“. Nach ihrer Rückkehr ins Hotel bekannte sie: „In meiner mehr als zwanzigjährigen Erfahrung als Diplomatin habe ich noch nie so stark wie heute gespürt, dass die Stimme Chinas von so vielen Menschen auf der Welt wahrgenommen wird, und sich der Raum für die Beziehungen mit der Außenwelt immer mehr erweitert.“ 

Fu Ying  sagt gerne, dass man in der Diplomatie vor allem objektiv bleiben und vor anstehenden Problemen in den zwischenstaatlichen Beziehungen nicht die Augen verschließen soll. Diplomatie, das sei die Kunst des Möglichen. Außerdem muss man sich darum bemühen, die Position der Regierung verständlich zu erläutern, zugleich aber einen persönlichen Stil in seinen Äußerungen pflegen. So schafft man im diplomatischen Verkehr einen ungewohnten Effekt, der den Umgang miteinander wesentlich erleichtern kann. Dazu bedarf es nicht nur Geschick im Umgang mit Menschen, sondern auch die Fähigkeit, sich an die Ausdrucksweise anzupassen, die auf dem internationalen Parkett gepflegt wird. Du Ping, der in der Zeitung Lianhe Zaobao aus Singapur über die langfristigen Trends in der chinesischen Diplomatie schreibt, hat kritisiert, dass es zu wenig Beamte gibt, die Auslandserfahrung haben und Umgang mit ausländischen Medien pflegen. Nicht nur die Menschen in der westlichen Welt, sondern auch die Chinesen selbst würden das seit Jahrzehnten von Spitzenfunktionären gepflegte Parteichinesisch weder verstehen noch gutheißen können.

Quelle: Beijing Review

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~ von oyukidaruma - 03/09/2011.

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