Blogs und Tweets helfen China bei der Demokratisierung

Noch vor einem Jahrzehnt mussten Chinesen, die sich öffentlich über etwas beschweren oder diskutieren wollten, dies persönlich tun. Mittlerweile jedoch ist das Internet der wichtigste Ort, an welchem abweichende Ansichten ausgedrückt werden können.  Microblogs wurden erst vor einigen Jahren populär, haben aber seither ungeheuer an Beliebtheit gewonnen. Auf Weibo, dem größten Microblog-System Chinas, können die Bürger die chinesische Regierung in einer Weise überwachen und kritisieren, die zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Im Vergleich zu den traditionellen Medien, welche oft unter technischen Restriktionen leiden, kann das Internet diese Defizite wettmachen, wie der Journalistik-Professor Zhan Jiang von der Beijing Foreign Studies University erklärt. Microblogs erleichtern es den Menschen, ihre Gedanken in Echtzeit auszusprechen. Dadurch würden ihre Stimmen in der Öffentlichkeit lauter.

Weibo war im August 2009 gegründet worden. Seither haben sich über 140 Millionen Nutzer registriert. Die Betreiberfirma rechnet damit, dass noch vor Ende dieses Jahres die Zahl der Nutzer auf 250 Millionen steigen wird. Dies hat Folgen für die Art, wie Medien in China funktionieren. Bereits vor einem Jahr schrieb die Beijinger Zeitung International Herald Leader, dass ein Fünftel der 50 meistdiskutierten Themen ihrer Nachrichtenseite ursprünglich von Bloggern aufgeworfen worden waren. Die jüngste Vertrauenskrise des Roten Kreuzes China oder die zahlreichen Skandale rund um das Palastmuseum wurden zuerst in den Blogs thematisiert. Die traditionellen Medien konnten zeitweise den Entwicklungen kaum folgen.

Xie Yungeng, ein Experte für Medienwirtschaft und Management an der Verkehrsuniversität in Shanghai, sagte, dass viele Beamte sich der Macht der Microblogs noch nicht bewusst sind. „Viele haben keine Ahnung von neuen Medien oder sind zu arrogant, um sich darüber zu informieren.“

Das beste Beispiel für die Macht der Microblogger zeigte sich vor einem Monat, nach dem Zugunglück von Wenzhou. Zahlreiche Internetnutzer drückten ihre Wut darüber aus, wie die Eisenbahnbehörden mit dem Unfall umgegangen sind. Aufgrund dieses öffentlichen Aufschreis mussten die Behörden „offene und transparente“ Untersuchungen über den Unfallhergang einleiten. Zehn Tage nach dem Unglück verfassten der Staatsrat ein Rundschreiben, wonach künftig Informationen über wichtige Notfälle und Angelegenheiten von öffentlichem Interesse in einer „objektiven und zeitnahen Art und Weise“ veröffentlicht werden sollen.

Gleichzeitig zeigt aber auch eine Umfrage der Guangzhou Daily, die vergangene Woche veröffentlicht worden war, dass 80 Prozent der Befragten die Informationen auf den Microblogs als wenig authentisch betrachten. Ein Drittel der 2.960 Befragten sagte, dass es zu viele „negative und wertlose“ Informationen gebe. Rund elf Prozent fanden, dass es für die meisten Leute schwer sei, die Informationen richtig einzuordnen.

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~ von oyukidaruma - 18/08/2011.

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