China ist vom Unfall der Hightech-Züge geschockt

Vorgestern und Gestern Abend veranstalteten Bürger von Wenzhou spontane Trauerfeiern. Mit zahlreichen Kerzen zeigten sie ihr Mitleid mit den Todesopfern und drückten gegenüber den Verletzten ihre Genesungswünsche aus. Gleichzeitig wurden auch in der Nacht die Aufräumarbeiten fortgesetzt, mehrere Bagger zerlegten und verbuddelten die beim Unglück zerstörten Zugteile. Sie wurde später mit den andern Trümmern abtransportiert. Der Pressesprecher des Ministeriums für Eisenbahn, Wang Yongping, hatte zuvor bekräftigt, dass die Behörde mit den raschen Aufräumarbeiten nicht beabsichtigen, Beweismittel zu vernichten.
 
Eine erste Vereinbarung über die Entschädigung für die Opfer wurde gestern getroffen. Die Familie von Lin Yan, ein beim Unglück getöteter Bewohner, akzeptierte nach der Verhandlung mit der Behörde eine Entschädigung von 500.000 Yuan (etwa 54.000 Euro). Die Zahlung liegt damit weit über den vorgeschriebenen 172.000 Yuan (18.500 Euro), die sich folgendermaßen zusammensetzen: 20.000 Yuan von der Versicherungsgesellschaft und 150.000 Yuan für die Eisenbahnbehörde. Weitere 2.000 Yuan werden als Sonderzahlung für das Gepäck ausbezahlt.
 
Zwei Fragen, die im Zusammenhang mit dem Zugunglück immer wieder gestellt wurden, konnten jedoch bisher noch nicht aufgeklärt werden. Eine ist, warum das Zugkontrollsystem, welches die Geschwindigkeit und die Distanz der Züge misst und damit einen Aufprall verhindern soll, während des Unfalls versagte. Zudem hätte die Leitstelle den Lokführer des nachfolgenden Zugs informieren müssen, wenn der frühere Zug wegen eines Stromausfalls stehen bleibt. Zwischen den beiden Zügen gab es ein Zeitfenster von zehn Minuten. Dieses hätte dem zweiten Fahrer ausreichen müssen um reagieren zu können. Eine Untersuchungskonferenz, die sich dieser Frage widmete, wurde von heute auf morgen verschoben. Der Untersuchungsausschuss musste zuerst dem Staatsrats Frage und Antwort stehen.
 
Noch während der Bergungsarbeiten kam es gestern Abend auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Beijing – Shanghai erneut zu einer „Panne“. Wegen eines Stromausfalls verspäteten sich mehr als 20 Züge um über drei Stunden. Damit verbrachten zahlreiche Passagiere ihren Abend in Wagons. Ein Fahrgast aus dem Zug G-44 erlitt im überhitzten Wagen sogar einen Herzinfarkt. Grund der technischen Schwierigkeiten soll abermals ein Unwetter gewesen sein.
 
Kurz nach dem Unfall rief die chinesischen Führung, darunter auch Regent Hu, Premier Wen und Sicherheitschef Zhou Yongkang, unabhängig voneinander, zu umfassenden Bemühungen zur Rettung der Fahrgäste auf und erklärten die Rettungsarbeiten zur obersten Priorität. Drei Bahnbeamte, darunter Long Jing, Leiter der Eisenbahnbehörde in Shanghai, Li Jia, Leiter des Ausschusses der Partei in der Stadt und He Shengli, Vize Leiter der Behörde, wurden nach dem Zusammenstoß der Züge von all ihren Ämtern enthoben.

Die Pressekonferenz des chinesischen Ministeriums für Eisenbahn fand um 22.41 Uhr in der Nacht auf Montag in Wenzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang statt, wo sich das tödliche Zugunglück einen Tag zuvor ereignet hatte. Mit einer tiefen Verbeugung begann Wang Yongping, der Pressesprecher, die Konferenz. Vor zahlreichen Kameras entschuldigte er sich. Beim Unfall wurden 35 Leute getötet und 192 verletzt, erklärte Wang. Trotzdem zeigte sich Wang gegenüber der Technik zuversichtlich: „Unsere Technik ist exzellent. Wir vertrauen unseren Hochgeschwindigkeitszügen weiterhin“, so Wang.

In manchenArtikeln wurde berichtet, dass 41 Leute beim Unglück ums Leben gekommen seien. Diese Aussage dementierte der Pressesprecher jedoch: „Die Todeszahl ist genau 35. (nach aktuellen Berichten liegt die Zahl mittlerweile bei 38.) Ich habe nie gesagt, dass die Todeszahl auf 41 gestiegen ist.“ In den zwei Zügen befanden sich zur Zeit des Unfalls 1630 Passagiere. Insgesamt vier Wagons sind entgleist. Die Behörde hatte zuvor gegen vier Uhr früh erklärt, dass es im Wagon kein Lebenszeichen mehr gibt. Die Rettungsarbeiten am Unfallort wurden daraufhin aufgegeben. Doch um 17.20 Uhr, als die Arbeiter begannen, die zerstörten Wagons zu zerlegen, wurde ein lebendes Mädchen entdeckt. Der Pressesprecher hielt dies für „ein Wunder“.

Zunächst gab die Eisenbahnbehörde an, dass sich der Unfall auf einen Stromausfall wegen eines eingeschlagenen Blitzes zurückführen ließe – eine Ausrede, die zuvor bereits bei den häufigen Verspätungen auf der Strecke Shanghai-Beijingbenutzt worden war. Bei der Pressekonferenz sagte Wang: „Ich kann diese Frage derzeit nicht beantworten“. Xinhua schrieb allerdings davon, dass Blitzschutzanlagen in den Zügen installiert seien. Bisher hat das Ministerium keine Erklärung abgegeben.

Der chinesische Minister für Transport und Verkehr, Li Shenglin, hat am Sonntag nach dem Zugunglück von Wenzhou die betroffenen Behörden aufgefordert, Maßnahmen gegen die Zunahme von schweren Unfällen zu ergreifen. Es müsse das Bewusstsein erhöht, die Verantwortung für die Sicherheit gestärkt, die Regeln und Sicherheitsbestimmungen verbessert sowie intensivere Personenschulungen durchgeführt werden. Auch sein Vize Feng Zhenglin forderte die zuständigen Behörden auf, verstärkt gegen die Überfüllung der Züge und Fahrzeuge vorzugehen.

Wang Yongping meinte diesbezüglich, dass aufgrund der kurzen Betriebszeit die Hochgeschwindigkeitseisenbahn in China noch vor mehreren Herausforderungen stehe. Die Sicherheitsaufsicht müsse stetig verbessert werden. Am Sonntagnachmittag sind 13 Spezial Medizinexperten zur Rettung und Behandlung der Verletzten in Wenzhou eingetroffen. Unterdessen hat die Aufsicht für Versicherungswesen der Provinz Zhejiang ein Notfallprogramm ausgerufen und die Versicherungsgesellschaften aufgefordert, Schadenersatz zu leisten.

Das Zugunglück hat den Zugverkehr in der Region lahmgelegt. Die zuständige Bahnbehörde in Shanghai musste unterschiedliche Maßnahmen ergreifen, um die Fahrgäste weiter ans Ziel zu bringen. So wurden in den Bahnhöfen Schalter für die Rückerstattung und Umbuchung von Fahrkarten eingerichtet. Auch Fernbusse werden eingesetzt. Die Änderungen im Fahrplan sollen rund um die Uhr im Radio, Fernsehen, in Zeitungen und online veröffentlicht werden.

 

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~ von oyukidaruma - 27/07/2011.

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