Boykottiert Apple Produkte!

„Ich mache mir über die Arbeiter in Shenzhen keine großen Gedanken“, gab ein Freund zu, einer der unter den ersten war, die sich das neue iPad gleich am ersten Tag nach der Markteinführung auf dem chinesischen Festland besorgt haben. Auch jetzt noch warten hunderte vor den  Applestores in Beijing und anderswo, um einen schwarzen 64G iPad zu bekommen. Davon wurde in Medien berichtet. Was allerdings keiner wusste, das sich auch Menschen versammelt hatten, um das Fehlverhalten von Apple und seinen Zulieferer zu kritisieren.

Der junge Cheng Yiyi gehört zu den Kritikern. Gemeinsam mit Freunden organisierte er über einen Internet Blog Sit-ins vor grösseren Applestores in Hongkong, Beijing, Shanghai und anderswo. Ziel war es auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Alleine die China Daily berichtete über eine Umfrage der Students & Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) in Zusammenarbeit mit der holländischen Organisation Zentrum zur Forschung über Multinationale Firmen (SOMO) welche auf Gesprächen mit 120 Mitarbeitern der Fabriken von Foxconn (Apple Hauptzulieferungsbetrieb) in Shenzhen, Chengdu und Chongqing basiert. Die Umfrage zeigte deutlich, dass die hohe Nachfrage nach iPhones und iPads dazu führte, dass sich die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern drastisch verschlechtert haben.

Ich habe den Bericht gelesen. Unter anderem heisst es dort: „Die Fließbandarbeiter schuften noch immer bis zum Umfallen, sie sind weiterhin schädlichen Giften ausgesetzt, ihre Löhne sind niedriger als das, was sie zum Überleben brauchen (der in China geltende Mindestlohn wird einfach ignoriert), und dass die Fabrik einen militärischen Führungsstil pflegen, bei dem die Arbeiter routinemäßig erniedrigt und ausgeschröpft werden“. Cheng Yiyi widerholte diese Worte bei einem Interview mit der chinesischen Tageszeitung Global Times.


Proteste und Anzeigenkampagne vor einem Applestore in Shanghai

Doch es brennt nicht nur in China selbst. Die Proteste dort waren nur ein Teil einer grossangelegten weltweiten Kampagne. NGOs haben am gleichen Tag auch auf Taiwan, in Mexiko und in Europa ähnliche Aktionen gegen Apple und dessen Zulieferer durchgeführt. Dabei ging es wie in Festlandchina um unfaire Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörungen. „Apple hat die Kontrolle über das Handeln seiner Zulieferer. Das sind hundertprozentige Tochterunternehmen. Der Konzern könnte deren Praxis verbessern, indem er die Produkte zu fairen Preisen einkauft“, war beispielsweise auf dem Blog von „Make IT Fair“, einem europäisches Projekt zum Schutz der Arbeiterrechte, welches sich auf die Elektronikindustrie konzentriert, zu lesen.  Ich würde gerne ethische und nachhaltige iPhones und andere Produkte in den Applestores finden! Apple sollte seinen Zulieferern einen fairen Stückpreis bezahlen, um sicherzustellen, dass alle beteiligten Arbeiter in der Herstellungskette einen Bissen des „Apples“ abbekommen!

Leider hat die Studie in Europa nicht die gewünschte Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Details über den SACOM-Bericht, wonach die Fabriken von Apple, welche iPads in China herstellen, ihre Arbeiter inhuman behandeln, fand ich ledeglich auf den Seiten der britischen Sonntagszeitung „The Observer“. Im Gegensatz dazu ist in Deutschland kein einziger Bericht über den weltweiten Protest vom Wochenende erschienen.


Nicht nur Kaufsüchtige waren in einem Applestore zu finden

Ein 24 Jahre alter Mann, der seit sechs Monaten bei Foxconn arbeitet, erklärte der Global Times, dass es fast unmöglich sei, einen besseren Job zu finden als die Produktion von iPads. „Foxconn verletzt zwar die Rechte aller seiner Arbeitnehmer. Doch ist die Situation dort noch immer viel besser als in zahlreichen anderen Firmen“, sagte er. Als Reaktion auf die weltweit steigende Wut hat Apple einen Bericht veröffentlicht, in dem der Konzern schrieb, dass er in über hundert Fabriken Kontrollen durchgeführt habe. Dabei habe man einen Fortschritt erkennen können. Im gleichen Bericht sagte ein anderer Arbeiter: „Es ist nicht richtig, alle Schuld den multinationalen Unternehmen zu geben. Es ist die Aufgabe der Regierung, die Rechte der Arbeiter zu schützen und Regeln aufzustellen, um die ausländischen Firmen zu überwachen. Denn gäbe es in China keine derart mangelhafte Überwachung, durch welche die Produktion in China so billig wird, dann würden Konzerne wie Apple ihre Fabriken vielleicht in anderen Ländern bauen.“

Shen Shuguang, ein Experte für Arbeiterrechte an der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou glaubt demnach nicht an eine einfache Lösung des Problems. „Mangelnde Kenntnisse der Arbeitnehmerrechte sowie Lücken in der Rechtsordnung sind vermutlich der Hauptgrund für die unterschiedlichen Haltungen zwischen Chinesen und Westlern“, sagte er. Chinas Status als Werkbank der Welt sei der Schlüssel zum Verständnis für Apples Streben nach günstigen Lohnkosten. Die Regierung müsse eine größere Rolle dabei spielen, die Arbeiterrechte und die soziale Wohlfahrt zu verbessern.

Mein Freund, welcher sich das iPad am ersten Verkaufstag zulegte, meinte später zu mir, dass er einen iPad gekauft habe, auch wenn er von den missbräuchlichen Arbeitsbedingungen weiß. „Ein Boykott würde China auch nicht helfen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, war seine Meinung.

Gastkommentar von Bing

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~ von oyukidaruma - 17/05/2011.

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