Roter Bambus übernimmt Ermittlungen im Adoptionsskandal

In China macht ein ungeheuerlicher Skandal die Runde. Kinder von Wanderarbeitern wurde laut einem Medienbericht von skrupellosen und geldgierigen Behörden verschleppt. Dann warteten die Beamten darauf, dass Angehörige die Geldbuße zahlen, wenn nicht, gaben sie die Babys mit gefälschten Papieren zur Adoption ins Ausland frei.

In diesem konkreten Fall wurde den Großeltern eines Wanderarbeites das Kind regelrecht entführt. Der leiblicher Vater, der mit seiner Frau 1.000 Kilometer entfernt arbeitete und sein Baby in der Obhut der Großeltern zurückgelassen hatte, eilte zurück, konnte aber nichts mehr ausrichten. Die Familie klagte: „Die Behörden haben unsere Tochter entführt.“

Mindestens 16 der zwischen 2002 und 2005 in der Region behördlich weggeschleppten Babies tauchten nie wieder auf. Weil die Angehörigen in diesen Fällen die Geldbuße nicht bezahlen konnten, steckten die Funktionäre sie in das Shaoyang-Heim als „von ihren Familien verstoßene oder ausgesetzte Babies“. Sie leben heute bei nichts ahnenden Adoptivfamilien in den USA, Spanien oder Niederlanden, enthüllte die Zeitschrift „Caixin-Century“. Das Wochenmagazin machte mit einer zwölfseitigen Titelgeschichte unter der Überschrift „Die verstoßenen Kinder von Shao“ den Skandal im gesamten Land öffentlich.

Der Bericht wirft kein gutes Licht auf die Massenadoptionen von mehr als 100.000 Kindern, die an ausländische Eltern vermittelt wurden. Wieder einmal ist es eine arme Provinz im Westen (Bezirk Longhui in der Provinz Hunan) welche die Regierung in Beijing zur Weisglut bringt.  Die „Global Times“ schrieb von „ungeheuerlichen Zuständen im Wilden Westen“, Xinhua schrieb, der Artikel mache „unsere Nation sprachlos“. Die Stadtregierung von Shaoyang ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe an. Diese wurde jetzt durch den roten Bambus revidiert, es werden Spezielermittler von Beijing aus in die Provinz geschickt um die Sache zu lösen und in den Griff zu bekommen.

Der Verkauf von Kindern zur Adoption ist kein Einzelfall, so kam es bereits 2006 zu einem spektakuläre Prozesse in der Stadt Hengyang. 23 in Adoptionshandel verwickelte Funktionäre wurden bestraft, berichtete damals Xinhua. Dabei ging es um weit mehr als 100 Babys, die von Dezember 2002 an von ihren Eltern aus Angst vor Strafen wegen der Geburtenplanung angeblich ausgesetzt worden waren. Die Kinder waren von Kinderhändlern geraubt oder von Behörden verschleppt worden. Mehrere Kinderentführer wurden hingerichtet, andere zu Feldarbeit zwischen drei und 15 Jahren verurteilt. Die Kinder hatten sie in sechs Fürsorgeheimen von Hengyang abgeliefert – für eine Prämie von 3.200 bis 4.300 Yuan pro Kind.

Mit dem Regierungswechsel 2008 hat das Politbüro die Adoptionsverfahren erschwert, die Zahl der Adoptionen ins Ausland ist schwer zurückgegangen. Doch der Skandal, den das Magazin „Caixin“ wochenlang recherchierte, fällt mitten in die öffentliche Debatte, ob die Regierung an ihrer Politik der Geburtenplanung und der seit 30 Jahren verfolgten Einkindfamilie weiter festhalten kann.

Hinzu kommt, die ersten Ergebnisse der jüngsten Volkszählung haben Wirtschafts- und Gesellschaftsplaner alarmiert, und den Druck verstärkt, die Bevölkerungsplanung flexibler zu gestalten. Denn als Folge der Einkindpolitik kippt Chinas Alterspyramide schneller, als es die Planer damals erwartet hatten. Der Anteil an Rentnern nimmt zu, während die Zahl der Heranwachsenden rapide abnimmt. Kritisch schrieb die „China Daily“ am Dienstag: „Für diesen Wandel, so wie wir ihn jetzt erleben, brauchten Industrieländer früher 100 Jahre. Bei uns dauerte er nur 30 Jahre.“

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~ von oyukidaruma - 13/05/2011.

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