Panikmache im Westen und Missmanagement im Osten

In Japan mehrt sich die Kritik der Regierung und der Japaner selbst an der westlichen Presse, deren Berichterstattung sei eine „verdummenden Panikverbreitungsstrategie, die nicht nur dem japanischen Volk Unrecht tut, sondern auch das Leid der Betroffenen und Angehörigen in den Hintergrund stellt“.

Die Erstürmung der japanischen Supermärkte sei demnach genauso erlogen wie Medienberichte die von wirtschaftliche Chaos und vollständig lahmgelegter Infrastruktur im gesamten Osten des Landes handeln. Zerstört sei logischerweise lediglich die Infrastruktur der betroffenen Gebiete. Die Infrastruktur in den anderen Präfekturen welche immer noch 80 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen, sei völlig unversehrt. Auch der explizierte Einsatz von Fotomaterial, welches Panik suggestieren will in dem sie auffällig viele Japaner mit Gas- oder Atemschutzmasken zeigt sei verantwortungslos. In jedem Winter tragen Millionen von Japanern solche Masken, um sich vor Viren und Luftverschmutzung zu schützen. Auch gebe es viele Menschen die trotz Krankheit zur Arbeit gehen. Um ihre Arbeitskollegen zu schützen, tragen auch diese Masken.

Auch die Tatsache dass die deutsche Botschaft als eine der ersten die Flucht von Tokyo nach Osaka ergriffen hat, aber weiterhin jegliche Unterstützung zusagt, wird in Japana als Hohn wahrgenommen. Deutsche kritisierten zudem das Vorgehen der Botschaft  die in Japan lebenden Deutschen einfach nicht zu kontaktieren, weder per E-Mail, noch per Telefon.  Beobachter vor Ort bestätigten das die von der westlichen Presse verbreitete Panik unter den Japanern ausblieb. Die Regierung bestätigte ebenfalls: „Keine Gewalt, keine Plünderungen, keine Hamsterkäufe. Japan ist völlig sicher.“ Ein anonymer Mailschreiber stellt die rhetorische Frage, wie er „jemals wieder vor Studenten stehen und ihnen etwas von Wirtschaftsethik, Unternehmensführung, Verantwortung, Vorbildern und Führungsstärke beibringen soll, wenn ich mich nicht entsprechend verhalte?“ Schließlich wisse jeder, der nach Japan geht, dass sich hier jederzeit Erdbeben ereignen können. (Quelle: Welt.de)

Einigen japanischen Politikern stösst mittlerweile die fortwährende westliche Konzentration auf die Unfälle in Fukushima, während Tausenden Opfer des Tsunamis fast schon in den Hintergrund geraten, sauer auf. Aus Blogs war zu entnehmen das sich zunehmend mehr Deutsche in Japan angesichts der Art und Weise, wie Fukushima „für alle möglichen Agenden in Deutschland missbraucht wird“, schämen.

Auf der anderen Seite wird aber auch die Kritik an der japanischen Regierung lauter. Für Verstimmung sorgte ein Bericht über die Katastrophenbekämpfung in Fukushima vor Ort. Manch einer fühlt sich bei der Berichterstattung über die fast schon 1.000 Feuerwehrmänner, Techniker, Soldaten und Mitarbeiter von Zulieferfirmen, vor Ort an den Einsatz der Kamikazepiloten im zweiten Weltkrieg erinnert. Unklar ist weiterhin ob diese Menschen freiwillig oder auf Anweisung arbeiten. Betreiber Tepco hüllt sich verdächtig in Schweigen und schiebt dies auf die Regierung. Eine Forderung von Tokyos Gouvernour an die Regierung, welche öffentlich wurde, bestätigt aber schlimmes: Offenbar wurden Feuerwehrleute und Soldaten massiv unter Druck gesetzt.

Ein Geheimes Schreiben des kontroversen Shintaro Ishihara handelte der Nachrichtenagentur Jiji zufolge von Drohungen gegen seine Spezial Feuerwehr, welche vornehmlich gegen Hochhausbrände eingesetzt wird. Wer den Marsch- und Durchhaltebefehl gab, will Ishihara nicht gewusst haben; er vermutete aber, sie sei „von ganz oben“ gekommen. Am Dienstag äusserte sich Minister Banri Kaieda, zuständig für den Fukushima Krisenstab, in NHK: „Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, (…) möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen.“ Weitere Fragen waren unerwünscht.

Ishihara polterte noch am selben Tag zurück: „Mit solch einer blöden Äußerung wird die Mannschaft entmutigt. Sie verliert den Kampfgeist im Krieg.“ Laut einem Pressesprecher der Regierung von Tokyo waren die eingesetzten Wasserwerfer an den Feuerwehrspezialtrucks für maximal vierstündige Einsätze ausgelegt. Auf Anordnung „von oben“ dauerte der Einsatz allerdings sieben und mehr Stunden. Alle Fahrzeuge seien nun Schrott, hiess es in einem internen Papier, welches der japanischen Presse vorlag.

Westliche Berichte, Tepco schicke Obdachlose ins AKW, wurden dementiert, aber es hat sich mittlerweile bewahrheitet das sich Zeitarbeiter im Werk aufhalten. Diese seien der „Sache nicht gewachsen“. Viele Menschen die nun ohne Arbeit sind, haben sich von Tepco für „Hilfsarbeiten im Kraftwerk“ anheuern lassen, um Geld zu verdienen. Einige von ihnen waren schon vor der Katastrophe als Arbeiter im Kraftwerk. Ein Leiharbeiter sagte einer lokalen Zeitung: “ Wenn ich nicht dorthin gehe wird meine Karriere vorbei sein. Deshalb möchte ich den Anweisungen folgen, soweit es möglich ist.“ Die Aufgaben der Leiharbeiter waren das Kühlen der Reaktorblöcke und die Wiederherstellung der Stromversorgung.

Tepco bestätigte inzwischen die harten Arbeitsbedingungen welche auf allen in Fukushima eingesetzten Männern lasten. Soldaten, Feuerwehrmänner, Techniker und Leiharbeiter arbeiten demnach stundenlang in kompletter Dunkelheit und wechseln sich beim rausgehen ab, um nicht allzu lange der Strahlung ausgesetzt zu sein. „Eine absolut Harte und zeitaufwändige Arbeit unter schwersten Bedingungen“, bestätigte ein Sprecher von Tepco.

~ von oyukidaruma - 24/03/2011.

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