Was passierte wirklich mit Qian Yunhui?

 

Ausnahmsweise haben wir unsere Titelbilder an das Ende eines Artikels gesetzt. Wir warnen ausdrücklich vor den Bildern!

Qian Yunhui starb grausam: So wurde er vergangenen Samstag von einem LKW zermalmt. Nun hat der Tod des 53-jährigen eine Protestwelle im chinesischsprachigen Internet ausgelöst. Fotos von dem Vorfall kursieren auf zahlreichen Websites. Qians Schicksal erzürnt viele tausend Chinesen die die Repressalien ihrer Provinzregierungen endgültig satt haben, sie schreiben sich ihre Wut in Blogs und Foren von der Seele. Viele Blogger sind überzeugt, dass Mitarbeiter der Provinzregierung für den Tod des Mannes verantwortlich sind.

Seit sechs Jahren unterstützte Qian Dorfbewohner der Provinz Zhejiang in einem Streit mit Offiziellen um Grundstücke für ein Kraftwerk. Die Menschen sollten für ihr Land keine Entschädigung bekommen. Kritiker glauben, dass Regierungsmitarbeiter Qian zum Schweigen brachten, da er als letzte Chance eine Beschwerde an die Zentralregierung in Beijing plante. Zudem soll er bei einer anstehenden Wahl beste Chancen gehabt haben, gewählt zu werden.

So sahen sich lokale Parteigrößen in der Provinz Zhejiang gezwungen, in einer Pressekonferenz Stellung zu Qians Tod zu nehmen. Sie bügelten zwar kritische Fragen ab – doch Volkspolizisten aus der Nachbarstadt sollen den Fall nun aufklären. So wurde also der LKW Fahrer festgenommen, doch Dorfbewohner und Verwandte des Opfers sehen einige Fragen ungeklärt: So soll Qian laut seiner Frau kurz vor seinem Tod einen Anruf erhalten haben. Ein Zeuge berichtete Journalisten, er habe gesehen, dass Männer in Uniformen Qian auf die Straße drückten und ihn dann von dem Lastwagen überfahren ließen. Der Zeuge und auch einige Familienmitglieder des Toten sollen festgenommen worden sein. Auf einer Internetseite wurden Tausende Kommentare zu dem Fall vom örtlichen Büro des roten Bambus gelöscht.

Doch im Netz kursieren weiter Fotos vom Unglücksort – und es werden kritische Fragen gestellt: Warum war eine neue Überwachungskamera an der Kreuzung ausgeschaltet? Warum weist der Lastwagen keine Beschädigung vom Zusammenprall mit dem Opfer auf?

Durch das Internet wurden besonders in letzter Zeit etliche Exzesse von Funktionären publik. Ein Regierungsmitglied aus Chongqing wurde festgenommen, nachdem angebliche Tagebucheinträge von ihm im Internet veröffentlicht worden waren, in denen er über freizügigen Sex, Trinkgelage und Schwarzgeldzahlungen auf Partys berichtet hatte. Ein anderer Funktionär betrank sich bei mehreren Banketten so heftig, dass er starb.

Weil Berichte über Sex- und Alkoholexzesse, teure Lustreisen und verschwenderische Partys von Parteifunktionären auf Kosten des Steuerzahlers in der chinesischen Bevölkerung für Unmut sorgen, sieht sich die Zentralregierung zum Handeln gezwungen. Sie kündigte nun eine Kampagne an, um „das Phänomen der Extravaganz und der Verschwendung auszumerzen“.

Der oberste Korruptionsbekämpfer der Partei, Wu Yuliang, verwies vor Journalisten auf jüngste Erfolge. So seien in diesem Jahr 113.000 Funktionäre wegen Korruption bestraft worden. 4300 Fälle wurden zu weiteren Ermittlungen an die Justizbehörden übergeben. Luxuriöse Dienstreisen von Funktionären kosten den chinesischen Steuerzahler jedes Jahr umgerechnet rund 44 Milliarden Euro, wie CCTV ausgerechnet hat.

Bei einer dieser Reisen buchten Funktionäre vor zwei Jahren Hotelzimmer für umgerechnet 530 Euro pro Nacht in einem Hotel in Las Vegas und besuchten zudem eine Sexshow in San Francisco.

Die chinesische Führung demonstrierte bereits in der Vergangenheit Härte gegen einzelne korrupte Mitarbeiter: So wurde der Leiter der Behörde für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit hingerichtet, weil er sich dafür schmieren ließ, gefälschte Medikamente amtlich zu erlauben.

Doch ob die nun angekündigte Anti-Korruptions-Kampagne wirklich Erfolg hat, ist zweifelhaft. Maßnahmen zeigen nur in den obersten Schichten der Partei Wirkung, verlaufen aber auf unteren bzw untersten Ebenen oft im Sand. Auf Provinzebene wurden Korruptionsjäger dabei erwischt, wie sie Geld in ihre eigenen Taschen stopften.

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~ von oyukidaruma - 29/12/2010.

Eine Antwort to “Was passierte wirklich mit Qian Yunhui?”

  1. […] berichteten hier: https://oyukidaruma.wordpress.com/2010/12/29/was-passierte-wirklich-mit-qian-yunhui/ und hier: […]

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